Neue „Liebeserklärungen“ an Brandenburg
Lesen Sie, was der in Potsdam und im Havelland lebende Schauspieler Steffen Schroeder und der in Frankfurt (Oder) geborene Schriftsteller Hans-Jürgen Schmelzer über ihre Heimat Brandenburg sagen.
Steffen Schroeder, Foto Anne Heinlein
Steffen Schroeder
„Eigentlich ist es ganz einfach: Wenn meine Vorfahren aus der Lausitz und Westpommern stammen, man aber in Bayern geboren und aufgewachsen ist, anschließend seine Ausbildung im Ruhrgebiet absolviert und erste Berufserfahrungen in Österreich gesammelt hat, dann: kann man sein Herz nur in Brandenburg verlieren. Ob ich ein Brandenburger Kopf bin, weiß ich nicht. Ein Brandenburger Herz auf jeden Fall.“
Hans-Jürgen Schmelzer, Foto privat
Hans-Jürgen Schmelzer
„Gewissenhaftigkeit, Treue, Verantwortung für uns anvertraute Menschen sind nach meiner Erfahrung typisch märkische Tugenden.“
Der „Brandenburger Kopf“ stellte weiterhin nachfolgende Episode zur Verfügung:
„Etwa ein Jahr nach der Wiedervereinigung erhielt ich Post aus Polen. Fünf polnische Familien baten mich um Bescheinigung ihrer Arbeitsjahre auf unserem Gut 1940 bis 1944, die sie für die Rente benötigen. Ich war sechs, als wir das Heimatdorf mit großem Treck verließen. Woher sollte ich wissen, wer auf unserem Betrieb beschäftigt war? Aber ich hatte im Fluchttagebuch meines Vaters gelesen, dass die in der Heimat verbliebenen Zivilpolen unser zurückgelassenes Vieh, ohne dass sie jemand dazu aufgefordert hatte, versorgten, sich sogar von der einquartierten Wehrmacht prügeln ließen, weil sie die kostbaren Zuchtböcke nicht zum Schlachten hergeben wollten. Das genügte mir, um bei meinem Notar die gewünschte Bescheinigung beurkunden zu lassen.
Zwei Wochen später erhielt ich wieder Post, diesmal von sieben polnischen Familien! Hatte ich doch einen Fehler gemacht? – Verwandte warfen mir das vor. Nun, ich hatte „a“ gesagt, also sagte ich „b“ und ließ auch diese schriftliche Bezeugung vom Notar besiegeln. Und wieder erhielt ich nach wenigen Wochen Post. Es war ein fröhlicher Dankesbrief. Die Rente war bewilligt worden und ich war mit meinem Sohn nach Polen eingeladen.
Viele Wochen später suchte ich für meine Mutter im Altenheim aus ihrem Schrank ein wichtiges Papier vom Finanzamt. Ich angele die falsche Akte – Aufschrift „Gut Sachsendorf im Oderbruch“. Ich schlage sie aufs Geratewohl auf und finde einen handgeschriebenen Zettel meines Vaters vor mit allen aufgeführten polnischen Personen, die auf dem Gut gearbeitet hatten. Es waren die, denen ich ihre Beschäftigung auf Gut Sachsendorf amtlich bescheinigt hatte. Gewissenhaftigkeit, Treue, Verantwortung für uns anvertraute Menschen sind nach meiner Erfahrung typisch märkische Tugenden.“


![Walter Krumbach, Foto Anne Tausch (Familienfoto) [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons Walter Krumbach, Foto Anne Tausch (Familienfoto) [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons](/wp-content/uploads/Portrait_Walter_Krumbach_von-Anne-Tausch-Familienfoto-CC-BY-SA-3.0-de-via-Wikimedia-Commons-36x36.jpg)






